Montag, 30. Mai 2016

Katharerland Frankreich Midi-Pyrénées I.

In den Cevennen, dem südöstlichen Teil des Zentralmassivs, entspringt der Tarn. In überwiegend südwestlicher Richtung führt er seine Wasser in die Garonne und mit dieser schließlich in den Atlantik. Etwa vierzig Kilometer nordöstlich von Toulouse wird er bei Gaillac von einer Brücke überspannt. Hier beginnt unsere Reise durch das Land der Katharer.


Wie oft üblich, entstand auch Gaillac am Kreuzungspunkt wichtiger Handelsruten. Schon im frühen Mittelalter war der Tarn eine wichtige Handelsroute nach Bordeaux und an den Atlantik. Ferner kreuzte hier eine Handelsstraße Richtung Toulouse den Tarn - über Toulouse wiederum ist der Mittelmeerraum nicht fern. Die Vorraussetzungen für Fernhandel waren somit gegeben.    


Dann kamen die Benediktiner, ein christlicher Orden und gründeten die dem Erzengel Michael geweihte Abtei. Vielleicht kam mit den Mönchen der Weinbau nach Gaillac, vielleicht schon früher mit den Römern. Die Stadt wuchs.


Schließlich siedelten auch in Gaillac die ersten Katharer. Ursprünglich stammt diese christliche Religionsgemeinschaft aus einem Gebiet welches das heutige Griechenland sowie die Region um Konstantinopel, dem heutigen Istanbul umschließt. Überall in Westeuropa tauchten im 12. Jahrhundert häretische Lehren auf. Eckbert von Schönau, ein Benediktinermöch der in Köln durch Rainald von Dassel, den Kölner Erzbischof, verbrannte Häretiker verhörte, erklärte 1163: "Diese Ketzer nennen sich selbst "Katharos", die Reinen. Der Name Katharer war geboren... 



Die gesellschaftlich anerkannte Stellung der Frau, sowie die Ablehnung des Zehten, der Steuer die dem Klerus zustand, durch die Geistlichkeit der Katharer musste dem Papst sowie dem katholischen Klerus zwangsläufig missfallen. Auch durch den okzitanischen Adel - Okzitanien, eine Region "grob" gesagt der Pyrenäenraum beiderseits der französich / spanischen Grenze - lehnt den Zehnten ab. Vielleicht einer der Gründe für die Akzeptanz der Katharer in der Region.


Jedenfalls ist nicht bekannt, das bis zum Aufruf des Papstes zum Kreuzzug gegen die Katharer in Okzitanien ein Mensch auf dem Scheiterhaufen wegen seines Glaubens brannte.


Im Kloster St. Michael ist heute ein Weinbaumuseum untergebracht denn der Weinbau ist wichtige Erwerbsquelle von Gaillac und die Stadt gibt dem Wein der ganzen Region den Namen.


Na, und wenn ich euch nun Lust gemacht habe seber einmal in Gaillac vorbei zu schauen, ihr dort vielleicht Wein probieren oder lecker Essen möchtet, sei euch das Restaurant "La Table du Sommelier" an der Place du Griffoul empfohlen...